Frohgemut begaben sich annähernd 50 Reiselustige auf eine große Reise. 2300 Kilometer wurden dabei zurückgelegt. Schon der erste Tag der mit beinahe 900 km ging bis nach Freiwaldau im Altvatergebirge (heute Jesenik genannt). Untergebracht war man in der Pension "Schlesisches Haus", denn dieses Gebiet gehörte einst zu Mährisch-Schlesien. Heute gehören ein Teil zu Tschechien und der andere Teil zu Polen. Wenn man gut hinhört, kann man noch einige wenige ältere Leute dort finden, die diesen schlesisch-mährischen Dialekt auch heute noch beherrschen. Zu diesen Personen gehört auch noch der Seniorchef der Pension, der dazu noch, neben einigen lustigen Geschichten, mit seinem Sohn viele Heimatlieder vortragen kann. Diesen Unterhaltungsabend hatte man eigentlich für den Sonntag vorgesehen. Da aber dann die deutsche Fußballnationalmannschaft bis ins Endspiel vorgedrungen war, wurde er auf Montag verschoben. Es war nicht einfach dieses EM-Endspiel am Bildschirm zu verfolgen, da es keine Großbildschirme gab, die auch das Fernsehprogramm in deutscher Sprache ausstrahlen konnten. Aber auch im Tschechischen Fernsehen konnte man mit Begeisterung die Deutsche Nationalhymne mitsingen. Vorher, am Sonntagvormittag, konnte man bei einem Rundgang durch Freiwaldau einen Eindruck über die Veränderungen im Stadtbild gewinnen. Dann war Kirchgang angesagt. Beim Gottesdienst wurde die Pfungstädter Gruppe in deutscher Sprache begrüßt. Die Fürbitten wurden in tschechisch und in deutsch vorgetragen. Wunderbares Wanderwetter brachte dann der nächste Tag, sodass gleich der mit 1491 Höhenmetern höchste Berg , der "Altvater" in Angriff genommen werden sollte. Bis auf eine Höhe von etwa 1270 m konnte der Bus zur Anfahrt bis zur "Schäferei", einem Unterkunfts- haus unterhalb des Gipfels, genutzt werden. Damit hatte zunächst mal jeder die Möglichkeit den Gipfel zu erreichen. Viele aber wanderten über die "Schweizerei" bis zum Roten-Berg-Sattel, wo sie der Bus wieder abholte. Interessant war dann der Dienstag. Diesmal teilte sich die Gruppe. Die Wanderer hatten Reihwiesen, das höchste Pfarrdorf im Altvatergebirge, als Ziel gewählt, während die "Ausflügler" nach Jägerndorf (Krnov) fuhren, einer Industrie- und Kulturstadt nahe an der Grenze zu Polen. Dort führte der Leiter des Schlesisch-Deutschen Verbandes in Jägerndorf die Pfungstädter Gruppe durch die Stadt und die Umgebung, bevor man im "Deutschen Haus" nähere Informationen über diese Gruppe erfahren konnte. Vorbildlich haben sich die wenigen Deutschen in dieser Gegend zusammen getan, um gemeinsam mit der Stadtverwaltung und Teilen der tschechischen Bevölkerung die gegenseitige Verständigung voran zu bringen und die Bürde der Vergangenheit aufzuarbeiten. Gerne nutzten die Beteiligten die Gelegenheit um mit einer großzügigen Spende das Weiterbestehen dieser Gruppe zu ermöglichen. Aber auch eine Bücherspende mit Büchern in deutscher Sprache für die Deutsche Bibliothek im Hause wurde übergeben. Die Wanderer hatten eine Tour ausgewählt, die vom Gräfenberg hinauf zu den Harichsteinen und weiter zur Goldkoppe nach Reihwiesen führte. Auch der Sienteich wurde dann noch aufgesucht. Treff- punkt der Wanderer und Ausflügler war die Gaststätte Brauner, die durch die vielen geschnitzten Stühle bekannt ist. Die Stuhllehnen zeigen die Köpfe der Stammgäste, die einstmals dort zu Gast waren. Mittwoch ging die Reise weiter, da die nächsten Tage im Riesengebirge verbracht weren sollten. Mit Zwischenstation im "Böhmischen Paradies", wurden dort die "Prachover Felsen" besichtigt. Unterkunft für die nächsten Tage war in Harrachsdorf (Harrachov) vorgesehen, dass man anschließend bald erreichte. Harrachov ist ein Ort , der vor allem im Wintersport einen Namen hat. Vor allen die Skispringer und Skiflieger dürften ihn gut kennen. Aber auch schöne Wanderungen und Ausflüge sind im Sommer von dort aus möglich. Gleich am nächsten Tag nutzte man den blauen Himmel um auf die Schneekoppe zu kommen, die auch als Dom des Riesengebirges bezeichnet wird. Von Petzer aus fuhr die gesamte Gruppe mit der Sesselbahn in zwei Abschnitten auf den Gipfel, wo in 1602 m Höhe ein herrlicher Gipfelrundblick über Böhmen und Schlesien wartete. Die Wanderer machten sich dann auf den Weg, um nach Klein-Aupa abzusteigen. Rund 600 Höhenmeter waren dabei zu bewältigen. Dieser Teil des Sudetengebirges ist bekannt wegen seiner Tundra artigen Vegetation aus Flechten, Gräsern und Moose. In der Jelenkabaude wurde eine Rast gehalten und man konnte sich die guten böhmischen Spezialitäten (zum Beispiel mit Heidelbeeren gefüllte Knödel) schmecken lassen. Am Freitag war man froh, den Vortag zum Wandern geutzt zu haben, denn es regnete in Strömen. Kurzfristig änderte man das Programm und nutzte den Vormittag zur Besichtigung der Harrachover Glasmanufaktur mit Glasbläserei und Schleiferei und des Glasmuseums. Auch manches Mitbringsel wurde eingekauft. Der Nachmittag war dann zur freien Verfügung und da sich das Wetter etwas besserte, konnte man die Skisprungschanzen und sonstige Sehenswürdigkeiten im Ort, wie Kapelle mit Glasglocke und Kirche mit Glaslüster, aus der Nähe besichtigen. Am nächsten Tag waren schon wieder die Koffer zu packen, denn die Heimfahrt stand bevor. In Ellbogen im Egerland war die Mittagspause angesetzt, aber viele nutzten die Gelegenheit zu einem kurzen Rundgang durch diese sehenswerte Burgstadt. Der Dank aller Teilnehmer galt vor allem dem Busfahrer aber auch den beiden Organisatoren aus der Concordia Wanderabteilung Rudi Neugebauer und Hans Pimpl, die sich viel Mühe gegeben hatten, um diese Fahrt zur Zufriedenheit aller Teilnehmer zu gestalten. Als Wanderführer waren Franz Hofmann und Erwin Neugebauer tätig. Insgesamt gesehen war es eine Wanderreise, die längs der gesamten Sudeten durch Böhmen und Mähren führte. Einige ältere Teilnehmer konnten so ihre Heimatorte besuchen, wo sie vor 60 Jahren gewohnt hatten. Es waren aber auch einige Jüngere dabei, die sehen wollten, wo ihre Eltern und Großeltern einmal gelebt haben.