Auf
eine erlebnis- und abwechslungsreiche Woche können 47 Mitreisende zurück
blicken, die mit der Wanderabteilung des DJK Sportclubs Concordia Pfungstadt
im Altvater- und Riesengebirge unterwegs waren.
Freitagmorgens um 4 Uhr wurde die weite Tour angetreten und trotz der frühen
Morgenstunde pünktlich begonnen. Über die Autobahn Würzburg,
Nürnberg führte die Reise zum Grenzübergang in Waidhaus und über
Pilsen, Prag und Königgrätz nach Freiwaldau (Jesenik) in Nordmähren,
wo in der Pension Schlesisches Haus die Zimmer bestellt waren. Es
handelt sich dort um einen Familienbetrieb, den man weiter empfehlen kann. Der
Seniorschef begrüßte die Pfungstädter Gruppe noch in der früher
im Altvatergebirge üblichen schlesischen Mundart, was ansonsten in dieser
Gegend nicht mehr in dieser Art üblich ist.
Samstag steuerte man zunächst das Schlesische Haus eine 1932
am Titzhübel erbaute Baude im Grenzbereich zwischen Altvater- und Reichensteiner
Gebirge (1010 m) an, um dort einen kleinen Wanderspaziergang zum Einlaufen zu
absolvieren. Eine Meisterleistung für den Busfahrer, denn das Sträßchen
dorthin ist schmal und steil.
Nach dem Mittagessen wurde der Gräfenberg besucht. Eine Kuranstalt,
die schon 1829 von Vincenz Priessnitz geschaffen wurde und auch heute noch,
natürlich renoviert und modernisiert, für Kuranwendungen genutzt wird.
Eine Vorabendgottesdienst in der Kirche von Thomasdorf, der vom ehemals in Pfungstadt
tätigen Pfarrer Josef Schaab gehalten wurde, er gehörte auch der Reisegruppe
an, erzeugte bei manchem eine etwas wehmütige Stimmung, denn auf Wunsch
der Organistin erklangen die Lieder der Deutschen Messe von Franz
Schubert
Nach dem Abendessen hatte der Chef des Hauses mit seinem Sohn zu einem Schlesischen
Abend eingeladen. Mit Mundartvorträgen und Heimatliedern, sowie flotten
Tanzweisen ging der Abend viel zu schnell zu Ende.
Den Sonntag wollte man zum Wandern nutzen. In Ramsau (Ramzova) gondelte man
mit der Sesselbahn in zwei Etappen zur Hochschar hinauf, ein Aussichtspunkt
auf 1351 m gelegen. Kaum hatte die Gruppe auf der Seilbahn Platz genommen, setzte
der Regen ein. Aber es gab kein Anhalten mehr. Glücklicherweise waren
zwischendurch
bald wieder einige Sonnenstrahlen zu sehen. Aber es blieb ein wettermäßig
durchwachsener Tag. Über den Kepernik (1423m) wanderte die Schar zu den
Fuhrmannsteinen (1333 m) und über das Heidebrünnl zum Roten-Berg-Sattel
(1011 m), wo der Bus die Wanderer wieder in Empfang nahm.
Der nächste Tag war wohl mit der interessanteste der ganzen Reise. Man
hatte sich vorgenommen das neue Pumpspeicher-Wasserkraftwerk im Naturschutzgebiet
Altvater zu besichtigen. Ausgangspunkt dazu ist eine schmale Erschließungsstraße
in der Nähe von Winkelsdorf, die zunächst zum unteren Speichersee,
auf etwa 800 m gelegen, empor führt. Wichtig ist, dass man zuvor eine Erlaubnis
einholt und eine Führung bestellt. Man hatte in Frau Olga eine gute Wahl
getroffen, weil sie die umfangreichen technischen Erläuterungen in einer
guten deutschen Aussprache geben konnte. Von den mit dem Kraftwerk verbundenen
Bauwerken, die aus Naturschutzgründen meist unterirdisch angelegt worden
sind, waren alle Besucher stark beeindruckt. Das Wasser fließt aus einem
auf 1348 m hoch gelegenen Stausee in zwei Abflussbauwerken in das untere Becken
und erzeugt elektrische Energie für den Spitzenbedarf in Tschechien. Meist
während der Nacht wird dann das Wasser aus dem unteren See zum oberen Stausee
hoch gepumpt. Das Kraftwerk soll das zweitgrößte dieser Art in der
Welt sein und wurde 1996 in Betrieb genommen. Die Wandergruppe machte sich nach
der Führung vom oberen Stausee auf, um über Franzens Jagdhaus und
die Hohe Heide zur Schäferei unterhalb des Altvaters zu laufen, wo sich
der Bus mit dem anderen Teil der Gruppe einfand. Diese Gruppe hatte die Historische
Papierfabrik in Groß-Ullersdorf besichtigt.
Dienstag stand ein Besuch in Breslau an. Eine Stadtführung vermittelte
wissenswerte und weniger informative Einzelheiten über die Geschichte der
Stadt, die ja im zweiten Weltkrieg sehr stark zerstört worden ist. Der
innere historische Ortskern ist nach alten Unterlagen annähernd wieder
original aufgebaut worden und sehenswert. Die weiter außerhalb liegenden
Bereiche boten dagegen einen eher betrüblichen Zustand.
Geschockt war man von den Einreiseformalitäten. Sowohl bei der Ein- als
auch Ausreise waren formelle Gründe ausschlaggebend für Wartezeiten
von jeweils einer
Stunde.
Wenn Polen in die EU will, muss sich hier schon noch einiges ändern.
Am Mittwoch war für die Wanderer eine Zweiteilung verabredet. Eine Gruppe
lief über die Kreuzbergkirche auf die Goldkoppe und über die Harichsteine
wieder nach Freiwaldau. Die anderer Gruppe wanderte über den Kreuzberg
auf die Schöne Aussicht und über Dittershof zur Unterkunft zurück.
Der Bus fuhr mit dem Rest nach Reihwiesen und Maria Hilf.
Donnerstag hieß es früh aufstehen, denn die Koffer mussten gepackt
und verladen werden. Schließlich stand der erste Teil der Rückreise
an. Dem Besuch der Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg bei Olmütz schloss
sich eine Stadtführung in Olmütz an, bevor es dann per Bus über
Trautenau und Hohenelbe nach Spindlermühle im Riesengebirge ging. In einem
Hotel der Spitzenklasse wartete dort schon ein großes Buffet auf die Concordiagruppe.
Freitag wurde im Riesengebirge gewandert. Der jungen Elbe entlang führte
ein Wanderweg bis zum Elbfall und zur neuen Elbfallbaude hinauf. Ein hässlicher
Betonklotz, ewa 1970 erbaut, der schon längere Zeit nicht mehr genutzt
wird. Unterwegs konnte man mit dem Pantschefall, den höchsten Wasserfall
Tschiens bestaunen, der 250 m in die Tiefe stürzt. Man konnte aber auch
erkennen wie Sturm, Lawinen und der saure Regen den Bäumen in diesem Bereich
arg zugesetzt hat. Nach einer Einkehr in der Vrbatova bauda, die an Stelle der
früheren
Habichtsbauden entstand, wurde dann der Abstieg nach Spindlermühle notwendig.
Insgesamt 22 km wurden dabei zurück gelegt. Eine weitere Gruppe wollte
zur Schneekoppe auf 1602 m mit dem Sessellift hochfahren. Aber wegen schlechtem
Wetter und zu hohen Windgeschwindigkeiten fuhr die Seilbahn nur sehr eingeschränkt,
so dass man sich mit dem Besuch von Pez, Hohenelbe und Trautenau zufrieden geben
musste.
Samstag war Heimreisetag. Über Reichenberg und an Aussig vorbei führte
die Fahrt, von Pausen unterbrochen, durchs Egerland und vom Grenzübergang
Schirnding wieder nach Pfungstadt zurück.
Der Dank aller Teilnehmer galt den beiden Organisatoren der Fahrt, Rudi Neugebauer
und Hans Pimpl, aber auch den Wanderführern und allen, die sonst noch mitgeholfen
hatten, die Wanderung zu einem Erlebnis besonderer Art zu machen.
Ein herzlicher Dank wurde dem Busfahrer Heinrich Erdle vom Reisebüro Schwarzer
in Nördlingen zuteil, der sich als profunder Kenner von Böhmen und
Mähren bewiesen hatte und mit vielen Geschichten die lange Reisezeit etwas
abwechslungsreicher machte.
Bilderwand
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